Geschichte des Vereins

1870 bis 1900


1870 gründeten der Buchhändler Emil Mänhardt und der Advokat Dr. Karl Beistorfer den Eislaufverein, nachdem diese schon jahrelang begeistert dem Eislaufsport huldigten. Der Status des Vereins wurde im Jänner 1871 vom k.k. Stadthalter für OÖ, Herrn Hohnwart, genehmigt und der Verein zählte in seinem ersten Jahr bereits 111 Mitglieder. Gelaufen wurde mit beschlagenen Bergschuhen, den sogenannten „Goiserern“, wobei man sich mit spitzen Bergstöcken fortstieß.

Der Eislaufsport stand erst am Beginn seiner Entwicklung und der Verein war in der damaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie einer der ersten Europas und nach dem Wiener Eislaufverein der zweite auf österr. Gebiet.

Gelaufen wurde in den ersten 30 Jahren auf dem Krottensee, den die königliche Familie von Hannover zur Verfügung stellte und der sogar über eine Umkleidehütte verfügte. Die Königliche Hoheit, seine Gattin und Prinzess Mary waren selbst begeisterte Eisläufer.

Wenn das Wetter es erlaubte, wurde auch auf dem zugefrorenen Traunsee gelaufen, wie im Jahr 1880, als der Traunsee nach 50 Jahren wieder zur Gänze zufror und zum zehnjährigen Vereinsjubiläum in der Orter Bucht ein großes Jubiläums-Eisfest veranstaltet wurde.
Der Eislaufverein hatte in diesen Jahren bis zu 412 aktive Mitglieder.
Zum 25jährigen Jubiläum fand lt. Bericht der Gmundner Wochenzeitung vom 05.02.1895 bei prachtvollem Wetter ein Eislauffest mit 324 Eisläufern, Vorführungen des Elefanten Hatschi-Baba und des Riesenchinesen Calafati, einem Wettlaufen für Damen, für Herren sowie im Gasselfahren im Beisein von der Veteranenkapelle und vielen hundert Zuschauern statt.

 

 

1900-1910


1901 wurde der neue Eislaufplatz auf dem von der Stadtgemeinde errichteten Sportplatz bei der Haltestelle „Stadtpark“ der Lokalbahn im Cottage-Viertel eröffnet. Der Platz war mit vier Bogenlampen ausgestattet und mit einem Ankleide-, Anschnall- und Wärmeraum versehen.
Bei diversen Eisfesten gab es Wettläufe für Herren, Knaben und Mädchen und 1909 erstmals einen Bewerb für Kunstlaufen.

Ab 1910 behinderten schlechte Witterungsverhältnisse, mangelhafte Geldmittel und später der Kriegsbeginn die Tätigkeit des Vereins sehr und die Zahl der erwachsenen Mitglieder ging zurück.

Die Zwanziger- und Dreißigerjahre

Obmann war ab 1920 Anton Tranquillini, der mit seiner Familie von Wien nach Gmunden übersiedelt war. Oberbaurat Tranquillini war 1909 bei der Eröffnung der ersten Freiluft-Kunsteisbahn der Welt in Wien dabei und hatte damals zu den besten Eiskunstläufern beim berühmen „Engelmann“ gehört. Auch in Gmunden begnügte man sich nicht mehr mit dem „Randln“, sondern wollte Figuren laufen und tanzen und Oberbaurat Tranquillini konnte den Lernbegierigen viel Neues beibringen. Die Eisläufer schraubten sich nun „Jacksons“ an die Schuhe.

In den Zwanzigerjahren wickelte sich der Eislaufbetrieb teils auf dem gespritzten Eis des Tennisplatzes ab, teils auf dem Krottensee, der bei Föhnwetter widerstandsfähiger war.

1928 wurde mit dem Eishockeysport begonnen und bereits fünf Jahre später errang die Mannschaft den Titel eines „Westkreismeisters“.

An Sonntagen wurde oft im Beisein der Blasmusikkapelle auf dem Krottensee gelaufen und wenn allzu viele Eisläufer das Eis belasteten, krachte es manchmal ganz bedrohlich. So passierte es einmal, dass das von vielen sehr bewunderte Fräulein Gisi Spielvogel im wunderschönen braunen Samtkleid und mit großem Hut, mit ihren rechts und links laufenden Kavalieren im Krottensee einbrach und die Rettungsaktion doch nicht ganz einfach war. Das war auch der Grund, dass der Verein endgültig auf den sicheren Eislaufplatz übersiedelte.

Durch die freundschaftlichen Beziehungen des Herrn Tranquillini zur Wiener Familie Engelmann kamen im Jahr 1933 die Europameister im Paarlaufen, Karst-Kaiser und im Jahr 1936 Karli Schäfer, Hedy Stenuf und die Geschwister Pausin zu Schaulaufen nach Gmunden. Nach ihrer Weiterfahrt von Gmunden zur Olympiade in Garmisch-Partenkirchen wurde Schäfer Olympiasieger und die Geschwister Pausin Silbermedaillengewinner.

 

Kriegs- und Nachkriegsjahre

Trotz der schwierigen Zeiten konnte in Gmunden weitergelaufen werden. Die Tochter von Obmann Tranquillini, Johanna, die heute noch vielen Gmundnern als Hansi Jank ein Begriff ist, widmete sich von jungen Jahren an mit Begeisterung und Einsatz dem Eislaufsport und dem Verein. Als Fachwartin für Eiskunstlauf organisierte sie in diesen schwierigen Jahren Lehrgänge in Wien, u.a. auch für die Gmundner Mädchen.

1940 führte der Eislaufverein in Gmunden Landesmeisterschaften durch.

1948 trat der Gmundner Eislaufverein der Sportunion bei, Obmann wurde Dir. Karl Piringer, der später auch langjähriger BGM der Stadt Gmunden wurde. Er holte 1949 die berühmte Wiener Eisrevue zu einem Gastspiel nach Gmunden, was ein wahrlich riskantes Vorhaben auf einem Natureisplatz war. In den Fünfzigerjahren wurde in erster Linie auf dem Eis getanzt. Viele Gmundner machten einen Abendspaziergang zum Eislaufplatz, um den Tänzern zuzuschauen.

Ab 1960

1906 wurde die Sektion Eiskunstlauf reaktiviert und es wurde mit viel Freude und Fleiß gelaufen und trainiert. Das große Ziel war immer ein gelungener Axel, was aber nur ganz wenigen gelang. 1961 wurden die ersten VM mit 30 Teilnehmern durchgeführt. Nach vielen Wintern mit nur 2 oder 3 Schleiftagen gab es 1963 und 1964 62 bzw. 54 Schleiftage, war nur ganz selten vorkam. Dies ermöglichte die Teilnahme bei den 1. Union-Winterkampfspielen, bei denen es bei den Damen nur Gmundner Siege gab. Bei den 1. OÖ LM im Jahr 1965 wurde Liselotte Jank Vize-LM.

In den folgenden Jahren wurden Trainingsfahrten nach Linz und Salzburg und Lehrgänge in Innsbruck und in Bayern organisiert, um den Anschluss an die Kunsteisbahnvereine nicht ganz zu verlieren.

1970 wurde das 100jährige Jubiläum mit einer repräsentativen Festschrift und einem feierlichen Festakt begangen, das geplante große Schaulaufen konnte jedoch wegen Tauwetters nicht durchgeführt werden.

Ab den Siebzigerjahren setzten sich die Obmänner Dr. Augendoppler, Karl Hochhaltinger , Helmut Haupt und Max Tasler sowie Hansi Jank unermüdlich für den Bau einer Kunsteisbahn ein. Aufgrund warmer Winter und wenigen Schleiftagen konnte der Eislaufbetrieb nur mühsam aufrecht erhalten werden. Es wurde nach Steyr und Salzburg ausgewichen, wenn der Laudachsee zugefroren war, waren die Eisläufer oben, und wenn der Bäcker in Mühldorf aufgespritzt hatte, waren sie dort. Ohne Sommer-Lehrgänge wäre ein Durchhalten nicht möglich gewesen, aber der Einsatz hatte sich gelohnt, denn 1985 wurde die langersehnte Kunsteisbahn eröffnet.

 

Kunsteisbahn 1985-1999

Nach über 50 Jahren unermüdlichem Einsatz raffte sich Hansi Jank nochmals auf, um den Trainingsbetrieb neu zu organisieren. Neben dem Leistungssport wurde auch der Breitensport und das Eistanzen forciert.


Durch ihre Initiative kamen nicht nur zahlreiche fachkundige Trainer nach Gmunden, sondern auch der ehemalige Cheftrainer des russischen Eiskunstlauf-Nationalteams, Alexander Vedenin und die Junioren-Eistanz-Weltmeisterin Angelika Kirchmayer, die die ehrgeizigen Eistänzer in Gmunden trainierte.

Seit 1988 unterrichtet Uschi Koll sehr erfolgreich die Leistungssportler in Gmunden. Als Uschi Nemec war sie mit ihrem Bruder Michael achtfache Staats-meisterin im Paarlaufen und nahm auch erfolgreich an vielen EM, WM und der Olympiade in Innsbruck 1976 teil. Innerhalb von wenigen Jahren ist es gelungen, aus den Gmundner Breitensportlern Leistungssportler zu machen, die sich österreichweit und auch ein wenig über die Grenzen des Landes hinaus einen Namen gemacht hatten. Mitte der Neunzigerjahre erlebte der Verein sein bis dahin erfolgreichstes Vereinsjahr.

Bei den Landesmeisterschaften nahmen 17 LäuferInnen teil, die insgesamt 9 Gold- und 6 Silber- und Bronzemedaillen gewinnen konnten.
Im Jahr 1996 stellte der Eislaufverein mit Verena Seidl erstmals die OÖ Landesmeisterin.
Fast allen österreichischen Vereinen standen mittlerweile Eishallen zur Verfügung und die Gmundner waren nunmehr fast die einzigen in Österreich, die auf einer Freiluft-Kunsteisbahn trainierten. So war es trotz aller Anstrengungen sehr schwierig, den Anschluss an das österreichweite Niveau nicht zu verlieren.

 

1998 - Bau der Eishalle

Der Bau der Eishalle, für den sich Hansi Jank - neben anderen - jahrelang unerbittlich eingesetzt hatte, war für den Eislaufverein ein Meilenstein in sportlicher Hinsicht. Von nun an konnten sich die Eisläufer witterungsunabhängig und unter konstanten Bedingungen auf Wettkämpfe vorbereiten.
Von Beginn an zeigten sich erste Erfolge der verbesserten Trainingsmöglichkeiten.

Sportliche Erfolge

In der ersten Hallensaison versuchte sich Claudia Koll als Paarläuferin und konnte mit ihrem paarlauferfahrenem Partner bereits im ersten Jahr den Staatsmeistertitel erringen.

Drei Jahre später konnten Manuel Koll und Lisa Einschwanger jeweils den Union-Bundesmeistertitel und Landesmeistertitel erringen und wurden in den Österr. Kader aufgenommen.

Unser Wettkampfteam, das aus bis zu 10 Läufern bestand, nahm regelmäßig an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil und konnte zahlreiche Siege und Podestplätze erringen. Der Verein entsandte unsere erfolgreichen SportlerInnen zu Wettkämpfen in die Länder Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Ungarn, die Slowakei, Polen, Belgien, Dänemark, Norwegen, Finnland und Estland.

Das Aushängeschild des Vereins ist seit vielen Jahren Manuel Koll, der seit seinem 4. Lebensjahr auf dem Eis steht und in seiner Karriere Juniorenmeister, 2-facher Staatsmeister und 3-facher Vizemeister geworden ist. Er durfte Österreich auch bei der WM in Göteborg und bei drei Europameisterschaften vertreten, hat an der Universiade in China und Italien teilgenommen und ist als Sieger der offenen Belgischen Meisterschaften hervorgegangen.